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So verändert Google for Jobs die Stellensuche

Dieser Artikel wurde verfasst von Florian Behn, Mitgründer von GOhiring und ist im Sonderheft „Trends im Recruiting 2018“ des Personalmagazins erschienen.

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TREND. Google for Jobs wird auch in Deutschland die Jobsuche umkrempeln. Das hat Auswirkungen für Jobsuchende, Unternehmen, Jobbörsen, Agenturen und Software

Wer heute nach „Ingenieur Job München” sucht, bekommt von Google normalerweise eine Vielzahl an Jobbörsen zum Weitersuchen geliefert. Von offenen Stellen keine Spur. Das wird
sich mit der Einführung von Google for Jobs in Deutschland ändern.

Kleine Box mit großer Wirkung

Wann Google for Jobs auch in Deutschland startet, ist wohl eine Frage von Monaten. Keine Frage ist, ob Google for Jobs Auswirkungen auf das Recruiting hat: Google hat einen neuen Standard für Stellenanzeigen geschaffen. Mit Google for Jobs wird es eine eigene Suche für Jobs geben, mit der Suchende direkt offene Stellen finden. Die Ergebnisliste wird sich zum Beispiel nach Jobtitel, Branche oder Unternehmen filtern lassen. Eine Auswahl der Ergebnisse wird bereits in einer One Box in der organischen Suche angezeigt. Diese ist ein prominent platzierter Kasten in der Ergebnisliste – ähnlich wie er bei der Suche nach Produkten, Bildern, Hotels oder Flügen heute schon integriert ist.
Damit offene Stellen bei Google for Jobs gefunden werden können, müssen sie dem neuen Standard zur Strukturierung von Web-Inhalten entsprechen, auf den sich Google, Yahoo, Microsoft und Yandex bereits 2011 verständigt haben. Auch für Stellenausschreibungen wurde ein Standard definiert.

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Es gibt Tags für Jobtitel, Branche, Arbeitszeiten und auch das geschätzte Gehalt. Sind Anzeigen nicht bei Google for Jobs gelistet, sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, gefunden zu werden: Die One Box ist prominent platziert und wird den allergrößten Teil der Aufmerksamkeit und damit der Klicks auf sich ziehen. Die organischen Suchergebnisse verlieren damit an Bedeutung.

Offene Stellen auffindbar machen
Laut Google starten 73 Prozent aller Jobsuchen mit einer Google-Suche. Wer weiterhin Zugang zu diesen Jobsuchenden haben will, muss nach den neuen Spielregeln spielen. Der US-Konzern hat mit Google for Jobs das Ziel, Jobsuchenden die perfekte Job Search Experience zu bieten. Davon profitieren Arbeitgeber, denn die Passgenauigkeit der Bewerbungen wird steigen. Schließlich ist es Googles Kerngeschäft, Suchanfragen (Stellengesuche) und Inhalte (offene Positionen) zu matchen. Dabei kann das Unternehmen auf seinen riesigen Schatz an Nutzerdaten zurückgreifen. Doch diese Qualität hat ihren Preis. Arbeitgeber müssen ihre Anzeigen an den neuen Standard anpassen. Der fordert strukturierte Daten, je mehr, desto besser. Unternehmen, die zum Beispiel beim Gehalt offen kommunizieren, steigen womöglich in der Ergebnisliste. Mit Jobbörsen werden Arbeitgeber auch in Zukunft zusammenarbeiten. Jedoch werden sie sehr viel genauer hinschauen müssen, wie Jobbörsen ihren Traffic generieren. Kommt ein Großteil via Google? Oder bringt die Jobbörse eigene Reichweite und Zugang zu passiven Kandidaten mit? Für Arbeitgeber wird die Welt also komplexer. Sie werden sich nicht mehr nur auf einen Kanal verlassen können. Es gilt, verschiedene Kanäle und Modelle
(CPC, Laufzeit-Anzeigen) regelmäßig zu messen, zu vergleichen und zu optimieren. Die Herausforderung dabei ist: Nicht einzelne HR-Tools aufwendig orchestrieren zu müssen, sondern alles zentral aus dem Bewerbermanagementsystem zu steuern, um Datenkonsistenz bei Tracking und Analytics zu gewährleisten. Nur so wird sich der Recruiting-ROI kontinuierlich verbessern lassen.

Neue Software-Anforderungen
Die Bewerbermanagementsysteme sollten auf den Launch von Google for Jobs vorbereitet sein und eine Schnittstelle bieten, um Daten Google-konform übertragen zu können. Nicht nur Karriereseiten, sondern auch bereits bestehende Schnittstellen zu klassischen Jobbörsen müssen angepasst werden. Am besten sollten gleich alle weiteren Crawler-Standards berücksichtigt

werden (wie Indeed, Jobrapido und Kimeta), damit Anzeigen dort mobil optimiert ausgespielt werden können. Diese Funktionalitäten werden von Kunden mit Sicherheit massiv nachgefragt, denn sie garantieren die bestmögliche Performance. Künftig werden sich die Softwarehersteller wohl auch auf das Managen von Rahmenverträgen und CPC-Budgets aus dem System heraus einstellen müssen.

Die Folgen für die Jobbörsen

Wird Google for Jobs Jobbörsen verdrängen? Nein, aber Jobbörsen, die sich mit viel Aufwand gute Rankings bei Google aufgebaut haben, müssen jetzt umdenken, um nicht später komplett abhängig von bezahltem Google-Traffic zu werden. Für Jobbörsen, die ihren Traffic mehrheitlich aus Non-Google-Quellen beziehen, etwa aus einer eigenen Community,
über Verlage, Special-Interest-Portale oder Blogs, bedeutet Google for Jobs einen Vorteil: Mit einigen technischen Anpassungen an den Anzeigen der Kunden
können sie ohne jahrelange SEO-Arbeit ganz oben in den Ergebnislisten stehen.

Für alle Jobbörsen ist es ratsam, sich rechtzeitig vorzubereiten. So winken vom Start weg bessere Rankings – bis irgendwann alle nachgezogen haben. Dabei sollten die Jobbörsen einen Weg finden, die Anzeigen der Arbeitgeber mit minimalem operativen Aufwand in das neue Format zu übertragen. Es ist sinnvoll, einen Self-Service-Prozess oder eine digitale Schnittstelle zu nutzen, anstatt Anzeige für Anzeige händisch anzugehen.

Neue Aufgaben für Agenturen
Für Agenturen ist die Entwicklung spannend, da neue Dienstleistungen gefragt sein werden. Denn Arbeitgeber stehen vor der Herausforderung, ihre Anzeigen und Karriereseiten inhaltlich und technisch neu zu strukturieren. Dabei können Agenturen wertvolle Unterstützung bieten. Auch Agenturen sollten nachhaltige Lösungen schaffen und nicht Auftrag für Auftrag manuell abarbeiten. Das treibt die operativen Kosten schnell in die Höhe, vor allem wenn man die Abstimmung mit dem Kunden pro Anzeige bedenkt. Zielführender wird es sein, Arbeitgebern einen Selfservice anzubieten und Daten strukturiert abzufragen.

Jetzt handeln und Vorteile sichern
Google for Jobs wird den Markt positiv verändern: Bewerbern steht die beste Job Search Experience in Aussicht. Sie gelangen einfacher zu dem Job, der für sie passt. Arbeitgeber erhalten passendere Bewerbungen. Jobbörsen werden Plätze bei Google for Jobs kaufen können, das Spielfeld wird damit demokratisiert. Softwarehersteller und Agenturen haben die Chance, ihr Angebot auszuweiten. Für alle gilt die Empfehlung: Schnell handeln, früh Erfahrungen sammeln und Vorteile sichern.

TIPPS FÜR ARBEITGEBER: Werden Sie fit für Google for Jobs

Richten Sie Ihr Recruiting rechtzeitig auf den neuen Google-Standard aus, damit Ihre Stellenanzeigen auch in Zukunft gut gefunden werden. Folgende vier Schritte helfen
Ihnen dabei:

  1. Prüfen Sie, ob Ihr Bewerbermanagementsystem, Ihr Karriereseitenanbieter und Ihre
    bevorzugten Jobbörsen bereits Google for Jobs integriert haben.
  2. Passen Sie die Struktur Ihrer Stellenanzeigen dem Standard von Google for Jobs an.
    Folgen Sie dazu der Anleitung von Google.
  3. Geizen Sie nicht mit Daten: Je mehr Daten Sie preisgeben, desto höher ist die Chance,
    ganz oben in den Ergebnislisten zu stehen.
  4. Mobile friendly inklusive: Mit der Umsetzung des Google-Standards sind Ihre Anzeigen
    auf einen Schlag perfekt für die Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert.

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